T178

Kapitel 17.8. im Jahr 2010

September/Oktober

Urlaub mit Wandern um Berchtesgaden

Auf meinen Wunsch hin machen wir noch einmal Urlaub mit Balu in Deutschland. Ich wollte gerne noch einmal mit unserem Hund in den Bergen wandern gehen, solange er das noch kann. Wir entscheiden uns für die Berglandschaft um Berchtesgaden herum.
Der Flug klappte gut, wenn auch Balu, als es daran ging, in die Kiste zu müssen, nicht begeistert war. Auf dem Rückflug zog er sogar an der Leine, was er sonst nie macht!, um von der Kiste wegzukommen, als er merkte, dass es soweit war, dort hinein zu müssen. In der Flughalle dagegen ist er fröhlich und munter wie immer. Ich vermute immer noch, dass bei einem der vorigen Flüge etwas für ihn Negatives passiert ist und er deshalb so ängstlich geworden ist. Ich habe selbst schon beobachtet, wie Koffer vom Band fielen, als das Flugzeug beladen wurde. Ich kann nur hoffen, dass es Balu nicht passiert ist, dass er mit der Kiste umfiel. Auf jeden Fall gibt es einen Auslöser, der ihm das Fliegen verleidet hat. Zum Glück konnte ich diesmal beobachten, wie er ins Flugzeug eingeladen wurde, und es lief alles glatt. So war ich beruhigt.

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Wir hatten eine Woche lang ein traumhaft schönes Wetter und genossen unsere Ausflüge. Balu war auf unseren Wanderungen glücklich, dabei zu sein. Ich war genauso happy, dass er uns noch so gut begleiten konnte.

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Mir war schon klar, dass er ein alter Herr war. Das wurde mir wieder besonders bewusst, als mich in diesen Urlaubstagen die Nachricht erreichte, dass Balus gleichaltrige Briard Freundin gerade ganz plötzlich verstorben war. Auch Balu kämpft ja seit einer Weile mit kleineren Problemchen. Schon einige Zeit vor unserem Urlaub hatte Balu mal wieder eine Phase, wo er morgens nicht an sein Futter gehen wollte. Das blieb auch so, als wir jetzt in Deutschland waren. Sein Trockenfutter mochte er nicht anrühren, doch Dosenfleisch frass er jederzeit.
Doch dann kam noch Erbrechen dazu. Natürlich nicht irgendwo in der Natur, wo es keinen stört. Nein, es musste genau in einem Restaurant sein, in dem wir gerade zu essen begannen.
Mein Mann kann so etwas nicht gut vertragen. So beeilte ich mich, schnell wieder alles ins Lot zu bringen.

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Da wir bei bestem Wetter mit herrlichem Sonnenschein eine Woche lang jeden Tag wandernd unterwegs waren, machte sich auch Balus Schwäche in den Hinterbeinen wieder bemerkbar. Er humpelte abends, wenn er zur Ruhe gekommen war, besonders stark. Ein Besuch beim Tierarzt sollte Aufschluss bringen. Zu Balus Magenproblemen hielt dieser recht rustikale Landarzt mir dann einen Vortrag darüber, wie schlecht es sei, Trockenfutter zu füttern und dass ihm dieses Vorgehen viele vierbeinige Patienten mit diversen Problemen bringen würde. Er empfahl mir natürliches Futter und gab mir einen Empfehlungsplan mit. Das Erbrechen erklärte er mir damit, dass der Hund das ihm ungewohnte kalte Schmelzwasser aus den Bächen trinken würde. Das würde der Magen eben nicht mitmachen. Das war natürlich einleuchtend, hatte es auch schon vermutet. Doch da das Magenproblem ja bereits in Teneriffa bestand, konnte es das kalte Wasser nicht allein sein, sondern das Problem nur verstärkt haben.
Gegen das Lahmen, das der Arzt sofort als Knieproblem diagnostizierte, gab er ein Schmerzmittel und Vitamin B. Er legte mir ans Herz, den Hund nicht mehr toben und Frisbee spielen zu lassen. Das würde dieses Problem fördern. Auch einleuchtend! Das war uns ja auch schon aufgefallen, dass sich das Lahmen nach langem Spielen verstärkte. Doch eine ganz umsetzbare Lösung war das natürlich nicht. Ich konnte zwar das Toben einschränken, doch ganz ohne Spiel würde unser Hund todtraurig sein. Spielen ist nun einmal sein ganzer Lebensinhalt.
Es hieß also, wie so oft, ab sofort das goldene Mittelmaß zu finden.

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Leider verschlechterte sich das Wetter. Es wurde kühl und zum Teil regnerisch. So fielen dann auch längere Wanderungen flach, was Balu zu Gute kam. Er konnte sich gut regenerieren. Er genoss es auch, dass er nun zusätzlich das leckere Spezial-Dosenfutter zu seinem Trockenfutter bekam. So schnell kann man einen Hund verwöhnen! Er soll doch seinen Urlaub auch geniessen, grinste Wolfgang.
Wir genossen dagegen neben dem guten Essen die Gastfreundschaft der Menschen hier, die Sauberkeit der Umgebung und natürlich die wunderschöne Landschaft mit den schneebedeckten Bergen und dem tiefen Grün der Wiesen und Wälder.

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Besonders wohltuend war es für mich, dass wir Balu überallhin mitnehmen konnten, in jedes Restaurant, in jedes Geschäft. Es war hier eben normal im Gegensatz zu Spanien. Balu konnte unzählige Hundebekanntschaften machen, denn Hunde gab es reichlich. Zwar waren die grossen Hunde nicht so zahlreich wie die kleineren, dafür aber in der Regel gut erzogen. Wir trafen sogar zu meinem Erstaunen in einem Restaurant einen anderen Wäller. Als wir uns am Nachbartisch niederliessen, fragten die Besitzer meinen Mann sofort, ob Balu auch ein Wäller sei. Leider war der andere Rüde aber nicht so friedfertig wie Balu und knurrte häufiger in Balus Richtung. Balu nahm davon aber keine Notiz. Der braune Rüde, den ich anfangs fälschlicherweise wegen seiner geringen Grösse und Zierlichkeit für eine Hündin gehalten hatte, stammte nicht aus einer Zucht des 1.WCD. Die kleinen Hunde dagegen, die wir häufig trafen, waren leider oft sehr giftig. Trotz deren Keiferei blieb Balu zu allen freundlich. Selbst, als ihm einmal einer von zwei kleinen Hunden, die sich bellend auf ihn stürzten, in die Nase biss, reagierte er nur mit Kopfschütteln. Es erstaunt mich oft, wie lange er friedfertig bleibt.

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Auch hier im Berchtesgadener und Salzburger Land war es übrigens so, dass Balu vielen Menschen positiv auffiel und er oft bewundert wurde. Ich denke, es ist einerseits sein hübschen Aussehen, andererseits aber auch seine freundliche Ausstrahlung und Gutmütigkeit.

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Diese netten Damen stürzten sich auch voller Begeisterung auf Balu und ließen sich gerne mit ihm fotografieren.
Wie cool Balu bei wirklich allen Gelegenheiten ist, bewies er wieder dadurch, dass wir ihn überall hin problemlos mitnehmen konnten.
So kletterte er mit mir geduldig bei der Besichtigung der grössten Eishöhle der Welt, den sogenannten Eiswelten bei Werfen, inmitten einer grossen Schar Menschen die steilen 700 Stufen rauf und auch wieder runter. Ich hatte anfangs erhebliche Sorge, dass er irgendwo abrutschen könnte und dann die steile riesige Eispiste abwärts zum Höhleneingang rutschen könnte. Deshalb hatte ich ihm sicherheitshalber die Leine, die am Halsband befestigt war, noch einmal wie eine Schlinge um den Körper gelegt. So hatte ich nun eine Art Brustgeschirr entwickelt. Ich fühlte mich sicherer, um ihn im Ernstfall besser festhalten zu können. Doch Balu machte das alles nichts aus. Allerdings wäre er gerne schneller die Treppen hochgelaufen als wir Menschen und zog deshalb häufiger an der Leine, was für mich völlig ungewohnt war. Es ist natürlich für ihn auch schwieriger mit seinen vier Beinen, wenn er immer auf der Schräge der steilen Treppen stehen bleiben muss, weil die Menschen eben auch dort stehen bleiben. Wir Menschen mit unseren zwei Beinen können ja, im Gegensatz zu ihm, gerade auf einer Treppenstufe stehen bleiben. So ging es langsam gut eine Stunde im Licht von Carbidlampen und leuchtendem Magnesium durch die wunderschöne, für Balu immerhin kühle Höhle. Auf dem Foto stehen wir am Eingang der Höhle. Innen durften keine Fotos gemacht werden.

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Auch in eine kleine schwankende Gondel, in der er nur auf dem Sitz neben mir Platz hatte, stieg er sofort ein, sprang bedacht auf den besagten Sitz und schaute dann seelenruhig die Gegend an, während wir gemütlich zur Bergspitze hinauf fuhren.
Auch in die grossen Gondeln, in die oft viele Menschen zusammen gequetscht wurden und in denen es entsprechend sehr eng war, liess er sich immer wieder problemlos mit hinein drücken. Er suchte sich sein Eckchen und liess sich gerne wuscheln. Bei diesen Fahrten stelle ich mich allerdings gerne mit gespreizten Beinen über ihn, damit ich seine Pfoten und besonders die Rute mit absichern kann, die von den anderen Menschen oft übersehen wird. Die Schmerzen, wenn die Leute darauf treten, wollte ich ihm doch ersparen.

BaluGondel

Wir suchten bei unseren Wanderungen gerne eine Klamm aus, denn das fand auch Balu toll.

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Hier gab es immer kühles Wasser zur Abkühlung.

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Eine Klamm ist nicht nur wunderschön, sondern oft gibt es dort auch viele Steige. Einige sind dann mit Gittern oder freischwebenden Treppen ausgestattet. Wir wurden manchmal gefragt, ob der Hund auch wirklich darüber geht, da viele Familien mit ihren Hunden wieder zurückkämen, da der Hund streikt. Doch für Balu ist das alles kein Problem. Egal ob steil, glipschig, offene Treppen, Leitern, Gitter oder Ähnliches, er macht immer alles ohne zu Zögern mit. Ich liebe ihn dafür, und so hatten wir wieder einmal einen wunderschönen Urlaub zusammen verbringen können.

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